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Pilze im Gewächshaus anbauen: Austernpilze im Herbst ernten

Pilze im Gewächshaus anbauen: Austernpilze im Herbst ernten

 

Pilze im Gewächshaus anzubauen ist eine einfache Möglichkeit, das Gewächshaus auch zwischen Oktober und April zu nutzen: Austernpilze brauchen genau das kühle, feuchte und schattige Klima, das nach dem Abräumen der Tomaten herrscht. Nach diesem Artikel wissen Sie, welche Pilzarten sich eignen, wie Sie ein Strohsubstrat ansetzen und wann Sie ernten.

Warum Pilze im Gewächshaus im Herbst gut wachsen

Die meisten Speisepilze bilden Fruchtkörper erst, wenn es kühler wird. Austernseitlinge fruchten am besten bei 10–16 °C und einer Luftfeuchtigkeit von 85–95 %. Diese Werte liefert ein unbeheiztes Gewächshaus von Oktober bis in den Dezember und wieder ab März fast von selbst. Im Freiland setzt die Ernte bei Wind, Starkregen und Frost aus, unter Dach bleibt das Klima dagegen wochenlang in dem Bereich, in dem Pilze fruchten.

Pilze brauchen weder Sonne noch Gartenboden, sie wachsen auf Stroh oder Holz. Platz unter dem Pflanztisch oder auf einem Regal reicht. Speisepilze leben von abgestorbenem Pflanzenmaterial und befallen keine lebenden Pflanzen. Die hohe Luftfeuchtigkeit rund um die Kultur kann aber Grauschimmel an Salaten fördern – deshalb bekommt sie eine eigene Ecke.

Welche Pilzarten eignen sich?

PilzartFruchtet beiSubstratSaison im Gewächshaus
Austernseitling (Winterstamm)ca. 8–16 °CStroh, LaubholzOktober bis Dezember, März bis April
Samtfußrüblingca. 5–12 °CLaubholzstämmeNovember bis März
Kräuterseitlingca. 15–20 °CFertigsubstratHerbst und Frühjahr, anspruchsvoller
Shiitakeca. 10–20 °CEichen- oder Buchenstämmeerste Ernte nach 6–12 Monaten
Limonen- und Rosenseitlingca. 20–28 °CStrohnur Sommer, schattig im Freien

Für den Einstieg ist der Austernseitling die sicherste Wahl. Er wächst schnell, verzeiht Fehler und trägt mehrmals. Achten Sie beim Kauf der Pilzbrut auf einen Winter- oder Ganzjahresstamm – Sommerstämme fruchten erst ab etwa 18 °C.

Austernpilze auf Stroh anbauen: Schritt für Schritt

Was Sie brauchen

  • Körnerbrut (Pilzbrut auf Getreide) aus dem Fachhandel, etwa 1 kg für 10 kg feuchtes Stroh
  • Weizen- oder Gerstenstroh ohne Schimmel, gehäckselt auf 5–10 cm
  • Kräftige Kunststoffsäcke oder Eimer mit 10–20 Liter Inhalt
  • Einen großen Topf oder eine Wanne und ein Thermometer

So gehen Sie vor

  1. Stroh pasteurisieren: Das Stroh 1 Stunde in Wasser von 65–75 °C einweichen. Das schwächt Schimmelpilze und andere Konkurrenten, ohne das Stroh zu sterilisieren. Danach abtropfen lassen, bis beim festen Zusammendrücken nur noch einzelne Tropfen austreten.
  2. Abkühlen lassen: Das Stroh muss unter 25 °C abgekühlt sein, sonst stirbt die Brut.
  3. Beimpfen: Stroh und Brut abwechselnd in den Sack schichten und fest andrücken. Mit sauberen Händen oder Handschuhen arbeiten.
  4. Durchwachsen lassen: Den Sack verschließen, ringsum alle 10–15 cm einen 2–3 cm langen Schlitz schneiden und bei 18–24 °C dunkel aufstellen, etwa im Keller. Nach 2–4 Wochen ist das Stroh vollständig weiß durchwachsen.
  5. Ins Gewächshaus bringen: Der Temperatursturz auf 10–15 °C und das Tageslicht lösen die Fruchtkörperbildung aus. Nach 1–2 Wochen erscheinen an den Schlitzen die ersten Pilzansätze.

Praxistipp: Wer den Aufwand scheut, beginnt mit einem fertig durchwachsenen Pilzkultursack aus dem Gartenfachhandel. Er kommt direkt ins Gewächshaus und trägt nach wenigen Tagen. So lernen Sie das Klima in Ihrem Gewächshaus kennen, bevor Sie selbst Stroh ansetzen.

Wo im Gewächshaus steht die Pilzkultur richtig?

  • Schattig: Pilze brauchen etwas Licht zur Orientierung, aber keine Sonne. Direkte Sonne trocknet die Säcke aus und heizt sie auf. Geeignet sind der Platz unter dem Pflanztisch, die Nordseite oder ein Bereich hinter einem Schattiernetz.
  • Feucht: Die Luftfeuchtigkeit sollte über 85 % liegen. Ein Folienzelt über einem Regal oder eine übergestülpte, gelochte Folie hält die Feuchte bei den Pilzen und vom Gemüse fern. Zweimal täglich mit der Sprühflasche befeuchten, aber nicht direkt auf die jungen Pilzansätze.
  • Belüftet: Pilze geben Kohlendioxid ab. Bei Luftmangel bilden sie lange Stiele und kleine Hüte. Lüften Sie täglich kurz – das ist im Herbst ohnehin gegen Grauschimmel nötig.
  • Frostfrei: Unter etwa 5 °C ruht die Kultur, leichter Frost schadet dem Myzel meist nicht. Bei Dauerfrost holen Sie die Säcke in einen kühlen Keller und stellen sie im März zurück.

Wie lange die Saison dauert, hängt von der Lage ab. In milden Regionen wie dem Norden Deutschlands nahe der Küste trägt die Kultur oft bis Weihnachten. Im Alpenvorland und in steirischen Tallagen, in denen sich kalte Luft sammelt, endet die erste Saison meist mit den Dauerfrösten im November oder Dezember. Polycarbonat hält die Temperatur dabei gleichmäßiger als Folie, in Foliengewächshäusern ist die Luft dafür von Natur aus feuchter. Beides funktioniert.

Pilze auf Holzstämmen: die Langzeitkultur

Austernseitling, Samtfußrübling und Shiitake wachsen auch auf Stämmen. Das braucht mehr Geduld, dafür trägt ein Stamm 3–5 Jahre.

  • Frisch geschlagenes, gesundes Laubholz verwenden: Buche, Pappel oder Birke, für Shiitake Eiche oder Buche. Ideal sind 15–25 cm Durchmesser und 30–50 cm Länge. Das Holz 2–6 Wochen lagern, aber nicht austrocknen lassen.
  • Im Abstand von 10–15 cm Löcher bohren, Dübelbrut einschlagen und die Löcher mit Wachs verschließen.
  • Die Stämme an einem schattigen Platz im Garten aufstellen oder zu einem Drittel eingraben. Die erste Ernte folgt nach 6–12 Monaten.

Beimpft wird am besten im Frühjahr, die erste Fruchtung kommt dann im Herbst. Ab dem zweiten Jahr können Sie fruchtende Stämme im Oktober ins Gewächshaus holen und so die Ernte um einige Wochen verlängern.

Wann und wie ernten Sie Austernpilze?

Austernpilze sind erntereif, wenn die Hutränder noch leicht nach unten gebogen sind. Werden die Ränder flach oder wellig, sind sie überreif und geben viele Sporen ab – erkennbar an weißem Staub auf Sack und Regal. Drehen Sie das ganze Büschel mit einer leichten Bewegung ab oder schneiden Sie es direkt am Substrat ab.

Nach der ersten Ernte ruht die Kultur 2–3 Wochen, dann folgt die nächste Welle. Ein Sack mit 10 kg Strohsubstrat bringt über 2–4 Wellen erfahrungsgemäß 1–2 kg Pilze. Frische Austernpilze halten im Kühlschrank 3–5 Tage, am besten in einer Papiertüte. Ausgetragenes Substrat kommt auf den Kompost oder als Mulch ins Beet, wie im Beitrag Boden im Winter verbessern beschrieben.

Praxistipp: Notieren Sie Ansetzdatum, Brutmenge und Erntegewicht direkt auf dem Sack. Nach einer Saison wissen Sie, welche Menge sich für Ihren Haushalt lohnt und wann Sie im nächsten Herbst ansetzen.

Diese Wochen im Gewächshaus und im Freiland

  • Im Gewächshaus: Sommerkulturen abräumen und das Haus reinigen, wie unter Gewächshaus reinigen und pflegen beschrieben. Dann die Plätze aufteilen: Feldsalat und Winterspinat aus dem Beitrag Herbstgemüse pflanzen bekommen die hellen Beete, die Pilzsäcke die schattigen Ecken.
  • Im Freiland: Holz für Stammkulturen vormerken. Bäume und Sträucher werden im Winter geschnitten, die Stämme im Frühjahr beimpft. Bereits beimpfte Stämme tragen im Oktober und November ohne weiteres Zutun.

Häufige Fragen

Kann man Pilze im Gewächshaus das ganze Jahr anbauen?

Im unbeheizten Gewächshaus nicht. Im Hochsommer wird es zu heiß, im Jänner und Februar meist zu kalt. Gute Zeiten sind Oktober bis Dezember und März bis Mai. Wärmeliebende Arten wie den Limonenseitling ziehen Sie im Sommer an einem schattigen Platz im Freien.

Schaden Pilze den anderen Pflanzen im Gewächshaus?

Nein. Speisepilze wie der Austernseitling leben von totem Pflanzenmaterial. Die feuchte Luft rund um die Kultur kann aber Grauschimmel an Salaten fördern. Trennen Sie die Pilzecke deshalb mit Folie ab und lüften Sie täglich.

Wie lange dauert es von der Brut bis zur Ernte?

Auf Stroh 4–6 Wochen: 2–4 Wochen zum Durchwachsen und 1–2 Wochen bis zu den ersten Pilzen. Auf Holzstämmen 6–12 Monate.

Kann ich Pilze aus dem Wald im Gewächshaus vermehren?

Davon ist abzuraten. Verwenden Sie gekaufte Pilzbrut von Speisepilzen. Sie ist sortenrein, und Sie wissen sicher, was auf dem Substrat wächst.

Eine Pilzecke nutzt die Monate, in denen im Gewächshaus sonst wenig wächst, und braucht nur einen schattigen Platz und etwas Folie. Was parallel an Wintergemüse reif wird, lesen Sie unter Wintergemüse ernten im Dezember. Gewächshäuser mit Platz für Regal und Pilzecke finden Sie unter Gewächshäuser, Schattiernetze und Regale im Gewächshaus-Zubehör.

 
Stichworte : Ernte, Gewaechshaus, Herbst, Pilze, Winter
Veröffentlicht in: Saisonkalender, Herbst im Garten

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